Warum Frauen Angst vor der eigenen Großartigkeit haben

Burlesque-Star-Koko La Douce macht während ihrer Performance- und Coaching-Sessions eine interessante Entdeckung: Rückt für ihre Schützlinge die Vision ihres größten Selbst in greifbare Nähe, verfallen sie in Panik. Hier erklärt die Künstlerin, wieso Frauen Angst vor der eigenen Großartigkeit haben – und wie sie damit umgehen können.

Die Schönheit, der Glitzer und der Glamour des Burlesque zieht viele Frauen an. Sie sehnen sich nach mehr Sexappeal und Leichtigkeit; nach mehr Salz und Pfeffer.
Mit der tanzenden Spielart Burlesque halten sie Ausschau nach einer größeren Version ihrer selbst. Ist diese Vision erst mal manifestiert, tritt meist eine wundervolle Phase der Selbstbefreiung und Euphorie ein: Erntedankfest quasi! Die Frauen blühen auf, nehmen sich Raum, muten sich zu und erlauben der Welt sie mehr und mehr zu sehen. Sie nähern sich ihrer Vision immer mehr an.

Was dann oft eintritt, ist höchst spannend: Rückt diese Vision in den Bereich des Möglichen - geraten viele in Panik: Ich kann tatsächlich sein, wie ich sein möchte? Aber damit würde ich ja den gesellschaftlichen Rahmen sprengen, in dem ich lebe! Ich müsste mich vielleicht trennen oder ich müsste liebgewonnene Sicherheiten aufgeben oder oder oder.

Es ist die Angst vor der eigenen Großartigkeit!

Diese Phase der Erkenntnis ist so kostbar und wichtig. Welchen Weg schlägt die Frau am Schluß ein und aus welchen Gründen? Wenn wir in dieser Phase nicht schummeln und unsere Hausaufgaben machen, dann gehen wir auf jeden Fall als reiferes Wesen aus diesem Prozess hervor. Und dabei gilt es genau zu prüfen, ob das „Ja“ oder das „Nein“ heilsamer ist.  Es gibt Frauen, die danach einen komplett neuen Weg einschlagen, genauso wie es Frauen gibt, die genau bei dem bleiben, wo sie auch vorher schon waren und beide Versionen können die größte Version ihrer selbst sein.

Es ist erstaunlich, wie ich in meinen Workshops immer wieder die ähnlichen destruktiven Mantren zu hören kriege:

Ich bin zu viel! Ich bin zu wenig! Ich bin nicht gut genug!
Was sollen nur die anderen denken! Jetzt nimm’ dich nicht so wichtig!
Du merkst gar nicht wie lächerlich du bist!

Das ist höchst wertvolles Arbeitsmaterial.

Was allerdings definitiv nicht die größte Version deiner selbst sein darf, dass du das Opfer deiner Umstände bist. Ja - vielen von uns ist Leid widerfahren, viele fielen einem bestimmten Umstand zum Opfer. Das gucken wir uns an und zwar sehr aufmerksam und respektvoll. Wenn die Zeit reif ist, wenden wir uns dann der Frage zu: „Und was will ich jetzt aus dieser Situation machen? Wer möchte ich sein?“.

Wir treffen im Durchschnitt am Tag bis zu 20.000 Entscheidungen. Der Zen sagt, mit jeder Entscheidung, die du triffst, entscheidest du, wer du bist. Was kommt also auf mich zu, wenn ich mich entscheide weiterzugehen? Meist ist die größte Version ziemlich anders als das, was die Frauen bisher verkörpert haben und somit kommt man auch nicht darum herum, dass das „Weitergehen“ einiges an Veränderungen mit sich bringt und zwar sowohl für einen persönlich, wie auch für dein gesamtes Umfeld. Man sollte nicht erwarten,, dass es einen einfachen Weg gibt. Beide Wege fordern einen heraus. Doch die eigentliche Frage ist viel mehr: „Mit welcher Lebenshaltung möchte ich leben?“

Viele Fragen führen zu einer Antwort

Um diese Frage zu beantworten, können viele kleine Fragen helfen: Wie fühlt sich die Vorstellung des neuen Lebensweges an? Was überwiegt? Der Schmerz? Die Angst? Oder die Vorfreude und der Appetit? Das gilt es im persönlichen, von mir angeleiteten Prozess, herauszufinden. Das erfordert große Achtsamkeit und Sorgfalt. Erfahrungsgemäß ist Angst kein guter Ratgeber, also: Was liegt unter der Angst?
Was sich die Frauen zu dem Zeitpunkt meist noch nicht bewusst sind, ist, das Maß an freigesetzter Energie und Lebensfreude, die sich ausbreiten, wenn sie sich bewusst entscheiden, ein authentisches Leben zu leben. Und wie gesagt, dass kann ganz anders und viel aufregender sein als das bisherige Modell. Es kann aber auch sein, dass die neue Version sich gar nicht so wahnsinnig vom bisherigen Lebensmodell unterscheidet.

Denn es kann auch eine heilsame Entscheidung sein, von Herzen sagen zu können: „Ich bin genau richtig, wie ich bin. Und zwar mit all meinen Makeln und Großartigkeiten. Ich bin gut genug, ich bin absolut liebenswert und am besten lege ich mich an diesem sonnigen Sonntagnachmittag ungeduscht einfach wieder ins Bett und gucke meine Lieblingsserie …“.

Niemand hat gesagt, um glücklich zu sein, muss man sich so lange optimieren, bis man makellos ist. Deinem Glück ist es übrigens ziemlich egal, wie viele Makel du hast.

Aus meiner Funktion als „Vaginal Kung Fu Teacher“ heraus weiß ich jedenfalls: Alles, was sich überhaupt lohnt getan zu werden im Leben - das lohnt sich zumindest l-a-n-g-s-a-m getan zu werden. Ist übrigens nicht von mir, sondern von Mae West. Die Frau die mal gesagt hat: Kinder, Tugend wird belohnt - aber nicht mit guten Einschaltquoten!

Christian Lietzmann

Über die Autorin

Koko La Douce

Sie ist Burlesque-Tänzerin aus Überzeugung. Koko La Douce ist nicht nur Mutter und ein Paradiesvogel, sondern auch Deutschlands ältestes Showgirl. Und eine Ikone: Ausgezeichnet von der Burlesque Hall of Fame in Las Vegas. Koko La Douce gibt ihr Wissen über Burlesque weiter und coacht auch, etwa ihr Vaginal Kung-Fu-Beckenbodentraining. Hier geht's zur Webseite von Koko La Douce.