„Embrace" - Wie ich verstand, was Körperhass mit uns macht

Lange habe ich gebraucht, um die richtigen Worte zu finden, denn die Doku „Embrace“ hat mich nachhaltig berührt. Laut einer Studie hassen 90 Prozent der Frauen ihren Körper, finden sich „fett“ und „eklig“. Das überrascht mich sehr. Zuerst denke ich noch: ich nicht. Doch dann laufen mir Tränen über die Wangen.

Seit der Schwangerschaft habe ich einen dicken Blähbauch – und mag mich nicht dafür. Selbst vier Jahren später, nach Yoga, Pilates und Bauchmuskeltraining ist er noch da. Fest und stramm zwar, aber dennoch so groß, dass ich immer wieder gefragt werde, wann das zweite Kind kommt. Seitdem überlege ich, ob ich einen Cappuccino trinken soll (danach ist es schlimmer) oder nicht, beachte, was ich esse, wann ich esse, liege abends wach und lasse meinen (Essens)-Tag Revue passieren. Dann schimpfe ich mit mir oder lobe mich.

...und wie viel weibliche Kraft in die Optimierung unserer Körper geht. Ich stelle mir vor, wir würden diese Energie in unsere Familien, Freunde, Berufung und die Welt stecken?!?! „Ich sag es mal so: Die Frauen haben geschlafen, doch nun wachen sie auf“, sagt Taryn. Der Beweis: Der Aufruf zum einmaligen Screening am 11. Mai 2017 in über 210 Kino in Deutschland und Österreich ging innerhalb von wenigen Stunden viral. Nora Tschirner hat die Ankündigung auf ihrem Account mit 90.000 Followern gepostet. Binnen weniger Tage gab es 10,5 Millionen Likes. „Das hat man nur, wenn man einen Nerv trifft“, erklärt sie.

Mein Körper ist ein Vehikel

Zum Schluss kommt noch die Frage, wie die beiden eigentlich ihren Körper finden? Ich war erstaunt, dass erst einmal Schweigen herrschte. Ich konnte sehen, wie die beiden die Frage gar nicht verstanden, es gab in ihnen keinen Echo dazu. „Keine Ahnung“, sagte Nora. „Wenn ich jetzt in meinen Körper hineinhöre, dann braucht er Schlaf und hat zu viel Koffein“, sagte sie. Und Taryn: „Mein Körper ist nur ein Vehikel, das mir hilft, die Dinge zu machen, die ich will“. Wow, ich bin total beeindruckt! Ich wünschte, wir könnten das alle sagen – und unsere Kraft in wichtigere Dinge stecken.

Wer das ganze Interview mit Taryn und der Naturgewalt Nora Tschirner hören will: Meine liebe Kollegin Kira Siefert von Soulfood war bei dem Roundtable im Hotel Michelberger dabei und hat einen Podcast davon gemacht (...und bei ein paar Fragen könnt Ihr sogar mich hören ;)

Tina Molin
Denise Siegel
Tina Molin ist Mitgründerin und Chefredakteurin von OW up!

Über die Autorin

Tina Molin

Arbeitet seit über 20 Jahren als Journalistin und hat sich schon mit vielen spannenden Themen beschäftigt. 1996 schrieb sie in Hamburg bereits über Techno, Tracks und DJs. Ab 2000 verfolgte sie für PRINZ das pulsierende Berliner Nachtleben. Später interviewte sie für BUNTE Prominente von Hugh Jackman bis Lady Gaga. Dann wurde sie Mutter – und plötzlich war die Lust weg. Daraus folgte der Blog Happy Vagina und das Interesse für weibliche Sexualität. Als Gründerin und Chefredakteurin von OW up! möchte sie Frauen inspirieren und motivieren, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen.