Gute Nacht, lieber Schlaf – Warum Einschlafen manchmal so schwer ist

Kann man Schlaf nachholen? Von der Eule zur Lerche werden? Und wie findet man eigentlich eine erholsame Nachtruhe? Schlafforscher Dr. Christian Benedict forscht seit Jahren in einem Schlaflabor und weiß, was Handys, Vollmond und Partner*innen für einen Einfluss auf den Schlaf haben können.

Lieber Christian, wie schläfst Du?

Es gibt Ausreißer nach oben und unten. Im Großen und Ganzen bin ich aber zufrieden.

Schnarchst Du?

Nicht, dass ich wüsste! Da ich in der Küche alleine neben meinem Dalmatiner Edi schlafe, weiß ich nicht, ob ich es doch tue. Edi hat sich jedenfalls noch nicht bisher beklagt.

Verbessern getrennte Schlafzimmer den Schlaf?

Aus eigener Erfahrung kann ich dieses nur bejahen. Als wir noch das Bett teilten, klagte meine Frau Franziska immer über mein lautes Atmen und weckte mich. Eigentlich doch toll, dass ich im Schlaf atme, oder? Seit wir nicht mehr das Bett teilen, kann ich und auch sie viel besser (durch)schlafen. Alles, was eine Partnerschaft auszeichnet, kann am Tage (oder im Wachen) gemacht werden. Schöner Nebeneffekt des Ausschlafens ist, dass wir freundlicher miteinander umgehen.

Oft wird das Handy als Wecker benutzt und liegt auf dem Nachtkästchen. Beeinflusst das den Schlaf?

Und wie! Die meisten Themen, die wir mit dem Handy erforschen, sind für unser Gehirn toll. Geschichten, Gefühle, Spannung, Liebe, Sex und vieles mehr sind nur ein Klick fern. Das weiß unser Gehirn und das kann dazu führen, dass es eher geneigt ist, unter der Nacht aufzuwachen. Mal schnell zu gucken, ob es was Neues im Netz gibt! Kennt jeder, oder? Das Problem ist dann halt das Wiedereinschlafen.

Wenn das Handy als Wecker benutzt wird, kann es zudem dazu führen, dass wir mehr gestresst werden. Einige Leute, die beispielsweise um 2 Uhr nachts aufwache, sind dann gestresst, dass sie nur noch 4 Stunden Schlaf übrig haben.

Können Nachteulen, die wegen der Kinder Frühaufsteher sein müssen, überhaupt gesunden Schlaf finden?

Auch wenn die Genetik uns in die Wiege legt, ob wir eine Lerche, Eule oder irgendetwas dazwischen sind, können wir durch unseren Lebensstil unseren Rhythmus dem unserer Kleinkinder annähern. Viel Licht am Vormittag, weniger am Abend. Vor allem am Tag essen und weniger am Abend. Letzteres gilt auch dem Sport. Sollte es dennoch nicht reichen, sollte man bei der Partnerwahl darauf achten, dass man eine Lerche heiratet. Alternativ kann man die Großeltern fragen, da Menschen im höheren Alter eher den Rhythmus von Lerchen haben. Alles also eine Frage der Verhandlung oder. Partnerwahl ;-)!

Wie beeinflusst der Vollmond unseren Schlaf?

Wenn wir im Freien leben und schlafen würden, wahrscheinlich so, dass wir später einschlafen. Ob der Vollmond einen Einfluss auf den Schlaf im häuslichen Milieu ausübt, ist laut gegenwärtiger Forschungslage eher unwahrscheinlich.

Und zum Schluss: 3 Dinge, die wir über Schlaf noch nicht wussten!

1. Auch Schlaf-Normalos können zwischen zehn und 20 mal pro Nacht aufwachen. Die Aufwachphasen sind aber so kurz, dass diese nicht erinnert werden. Daher ist die Idee vom Durchschlafen müssen totaler Unfug!

2. „Tiefschlaf ist die Nummer 1 unter den Schlafphasen in Hinblick auf die Gesundheit und unser Leistungsvermögen! Daher sollten wir vor allem sicherstellen, dass wir viel Tiefschlaf haben!“ Stimmt nicht so ganz! Viele Studien haben gezeigt, dass zu kurzer Schlaf (weniger als 7 Stunden pro Nacht) mit gesundheitlichen Problemen einhergeht. Da wir bis zu 90 % unseres Tiefschlafes in den ersten 3–4 Stunden unseres Schlafes abgespult haben, wäre Schlaf nach der Tiefschlaflogik von 3 bis 4 Stunden ausreichend für unsere Gesundheit. Das passt nicht und zeigt, dass der Schlaf als Ganzes relevant ist.

3. Menschen schlafen in einem neuen Milieu nicht nur schlechter, sondern wachen auch schneller auf, bspw. durch Geräusche. Warum? Laut einer amerikanischen Studie erfüllt eine der Hirnhälften im Schlaf eine Nachtwächter-Rolle, wenn wir in einem uns unbekannten Bereich schlafen. Die Nachtwächter-Hirnhälfte schläft weniger tief als die andere und ist zudem mehr ansprechbar auf sensorische Veränderungen im Schlafbereich.

Tina Molin
Denise Siegel
Tina Molin ist Mitgründerin und Chefredakteurin von OW up!

Über die Autorin

Tina Molin

Arbeitet seit über 20 Jahren als Journalistin und hat sich schon mit vielen spannenden Themen beschäftigt. 1996 schrieb sie in Hamburg bereits über Techno, Tracks und DJs. Ab 2000 verfolgte sie für PRINZ das pulsierende Berliner Nachtleben. Später interviewte sie für BUNTE Prominente von Hugh Jackman bis Lady Gaga. Dann wurde sie Mutter – und plötzlich war die Lust weg. Daraus folgte der Blog Happy Vagina und das Interesse für weibliche Sexualität. Als Gründerin und Chefredakteurin von OW up! möchte sie Frauen inspirieren und motivieren, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen.