Happy Single Woman: Alleine, aber ganz und glücklich

Weiblich, ledig und glücklich – geht das überhaupt? Gunda Windmüller räumt in ihrem neuen Buch mit der Vorstellung auf, dass Single-Frau ein Mangelzustand ist. Frauen übernehmen dabei ganz bewusst die Verantwortung für sich selbst, ihr Glück – und auch für ihre Finanzen.

Wieso wird eine Frau ohne Mann immer noch als Mängelwesen wahrgenommen?

Die kurze Antwort ist: Weil alte Rollenbilder nun einmal sehr stabil sind. Frauen waren traditionell als fürsorgende Gattin, liebevolle Mutter und Hausfrau eingeplant, nicht als Menschen mit eigenen Wünschen, Karriere oder finanzieller Unabhängigkeit. Dieses Modell hat sich im Laufe der Industrialisierung verfestigt und ist auch im 21. Jahrhundert noch sehr lebendig. Und daher werden Frauen, denen diese Aspekte angeblich fehlen, als Mängelwesen wahrgenommen. Ganz egal, wie ihr Leben sonst so aussieht.

Wenn Single-Frauen ihre Bedürfnisse, Pläne, Träume und Wünsche an erste Stelle stellen dürfen – wissen sie dann besser, was sie wollen und wie sie das kriegen? Entwickeln sie neue Superkräfte?

Wer sich selbst als Hauptperson des eigenen Lebens begreift, der hat schon mal gutes Rüstzeug, um tatsächlich sowas wie Superkräfte zu entwickeln. Oder, etwas prosaischer formuliert, sich mehr bei sich zu fühlen. Im Übrigen dürfen aber auch Frauen in Beziehungen ihre eigenen Bedürfnisse an erste Stelle stellen, ich halte das sogar für sehr wichtig. Das ist kein Aufruf zu Egoismus, sondern einfach die Bitte: Nehmt euch selber ernst und versucht nicht für andere Menschen etwas zu sein, was die für sich selber sein müssen.

Wie nehmen andere Frauen das wahr? Was können sie von den Happy Single Women lernen?

Verpartnerte Frauen tun sich oft schwer mit Single-Freundinnen. Zu einem gewissen Grad verständlich, schließlich wünschen sich viele Menschen, dass ihr Umfeld ihr Lebensmodell mitmacht und auf die gleiche Art und Weise lebt. Aber das ist nicht sehr hilfreich, denn es gibt nun einmal verschiedene Wege zum Glück und als Single-Frau möchte man sich wirklich, also wirklich (!), nicht ständig anhören müssen, was einem angeblich so fehlt im Leben. Was verpartnerte Frauen sich bei glücklichen Single-Frauen hingegen abgucken können? Vielleicht ein bisschen mehr Eigenständigkeit und Zutrauen darauf, auch„alleine“ ein ganzes Leben auf die Beine stellen zu können.

Was sagen Männer dazu, dass sie nicht mehr Prinz und Versorger sein müssen? Verändert das die Liebe, wenn Geld und Status keine existentielle Rolle mehr spielen?

Allerdings! Ich habe mit einigen Paartherapeut*innen gesprochen, die mir erzählt haben, dass gerade diese Aspekte in vielen Partnerschaften zu Problemen führen. Die meisten von uns haben ja noch ein ganz anderes Familienmodell erlebt: Der Vater arbeitet, die Mutter zwar meistens auch, aber sie kümmert sich eben zusätzlich um Haus und Kinder. Dazu sind Frauen heute nicht mehr so ohne weiteres bereit und da knallt es dann in der Beziehung. Und vielen Männern fällt es auch schwer, diesen Bedeutungsverlust zu kompensieren – auch kein Wunder, denn wir haben schließlich alle gelernt, dass sich männlicher Selbstwert aus dieser Rolle speist. Noch ein Grund mehr also, mit diesen Rollenbildern aufzuräumen!

Anne van Dülmen
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Über die Autorin

Anne van Dülmen

Hat zwanzig Jahre lang in der Finanzbranche als Beraterin, politische Referentin und Pressesprecherin gearbeitet. Bei OW up! schreibt sie über Geld und alles was dazu gehört. Denn Geld ist genau wie Sex ein Thema, über das „man nicht spricht“. Und das geht oft zu Lasten von Frauen. Deshalb unterstützt Anne als Coach, Juristin und Autorin Frauen dabei, ihre eigene Geldgeschichte zu schreiben – mit Impulsen für Kopf, Konto und Karma. Hier geht's zur Webseite von Anne van Dülmen.